Long Weekend in Salzburg

FREITAG

Vom Mirabellgarten nach Schloss Hellbrunn und wieder zurück in die Altstadt: Spaziergänger kommen in Salzburg voll auf ihre Kosten.
Am frühen Morgen ist der Blick vom Pegasusbrunnen im prunkvollen ­Barockgarten von Schloss Mirabell auf die steinerne Kulisse der Altstadt ganz beson­ders eindrucksvoll. Dieses Liebesgeschenk von Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau an seine Geliebte Salome Alt ist ­ein besonderer Kraftort und der Mirabellgarten eine Oase der Ruhe. Im Schloss selbst beeindruckt die Raphael-Donner-Stiege, die zum Marmorsaal führt, dem vielleicht schönsten Standesamt Österreichs, während draußen vor der Tür Zwerge im berühmtesten und ältesten Zwergerlgarten Europas durch die Sträucher lugen und die Orangerie oder das Heckentheater zum Lustwandeln einladen.

Beeindruckende Architektur und Gärten

Der Spaziergang führt hinaus aus dem Garten, vorbei am Landestheater und dem ­Geburtshaus von Herbert von Karajan an ­die Salzach. Hier sollte man unbedingt im
»Café Bazar« bei einem späten Frühstück – oder einem frühen Mittagessen – den Blick auf die Stadt genießen und dann mit Auto, Bus oder einer Kutsche nach Hellbrunn im ­Süden von Salzburg reisen. Seit mehr als 400 Jahren entzückt das Schloss Hellbrunn mit beeindruckender Architektur, der weitläufigen Gartenanlage, großen Teichen, einzigartigen Wasserspielen und einem mechanischen Theater mit Wow-Effekten für die Besucher. Fürsterzbischof Markus Sittikus plante im 17. Jahrhundert das Lustschloss als Ort der Vergnügungen und Erholung – und bis heute ist es ein Inbegriff barocker Lebensfreude.

Besondere Ausblicke
Zur lustvollen Auszeit gehört auch ein Besuch im »Gasthaus zu Schloss Hellbrunn«, wo feine Klassiker auf der ­Karte stehen. Wer gut zu Fuß ist, der sollte durch die Hellbrunner Allee über Schloss Freisaal den Rückweg in die Stadt antreten. Auch hier belohnen besondere Ausblicke den Wanderer ebenso wie ein kulinarischer Zwischenstopp in der »Greißlerei« im Gwandhaus, wo Liegestühle zum Ausspannen einladen, den Blick ins Tennengebirge gibt es gratis dazu.

Der Kunst auf der Spur
Kunst ist in Salzburg allgegenwärtig, ­Außergewöhnliches erwartet den Interessierten aber beim »Walk of Modern Art«. Von der Balkenhol-Mozartkugel am Ka­pitelplatz bis zu den Gurken von Erwin Wurm gibt es vielerlei zu entdecken. Die Wanderung macht hungrig, dagegen hilft ein Besuch in der traditionsreichen »Blauen Gans«, im »Gasthof Goldgasse« oder im eleganten »The Glass Garden« – man hat hier die Qual der Wahl.

SAMSTAG

Südliches Marktleben und Berge für jeden Gusto. Wo trifft man ganz Salzburg am Samstagmorgen? Natürlich am Grünmarkt. Mag sich die Welt auch noch so sehr verändert haben, die Fraktion der genießenden Connaisseurs bleibt ihrer Liebe zu gutem Essen und Trinken treu. Und diese Liebe braucht Märkte. Den kuli­narischen Spaziergänger erwartet ein Fest für alle Sinne, denn am Salzburger Grünmarkt ­ist der gute Geschmack zu Hause, Marktgeschichten und Kochtipps inklusive.

Sehen und gesehen werden
Man flaniert über den Universitätsplatz, an der Kol­legienkirche vorbei in Richtung Wiener-Philharmoniker-Gasse bis zum Festspielhaus – und staunt. Der Grünmarkt ist aber auch ­ein Marktplatz der Eitelkeiten, ein Ort des Sehens und Gesehenwerdens, ein Spiel, bei dem viele Salzburger gerne dabei sind. Dabei spielt auch der Würstelstand eine wichtige Rolle – kein Fast-Food-Tempel, sondern ein kleiner, schneller, regionaler Genuss aus dem dampfenden Kessel für jedermann.

Genusstipps
Wer von der Üppigkeit des Angebots auf die beeindruckend schlichte Fassade der Kollegienkirche blickt, die den Sonnenverlauf am Platz bestimmt, spürt ein Stück südliches Lebensgefühl. Für die, die keinen Herd in Salzburg haben, an dem sie mit den Köstlichkeiten des Markts kochen könnten, haben die Gasthäuser ein reiches Angebot. Beginnen sollte man mit einem Aperitif bei »Sporer« in der Getreidegasse – klassisch mit der berühmten Hausmischung oder sommerlich-innovativ mit Sporer Bitter. Bei »Herr Leopold« gibt es ­­den (fast) besten Kaffee der Stadt und wür­zige Kleinigkeiten, in der »Schatz Konditorei« ist die Auswahl üppig-süß und die Qua­lität großartig, »Azwanger« am Grünmarkt lockt mit Salzburger Tapas und das Restaurant »Herzl« mit feiner Kost. Der Nachmittag gehört den Stadtbergen.

Stadtwanderung
Der Kapuziner- und der Mönchsberg sind tolle Orte für Stadtwanderer – Kunst, Natur und Post­kartenmotive inklusive. Schlösschen, Villen, alte Wehranlagen, Wiesen, Wälder, Stadt- ­und Alpenpanorama-Blicke warten am Mönchsberg, Stille, besondere Aus- und Einblicke und manch tierischer Gast am Kapuzinerberg bleiben unvergesslich. Kulinarische Erinnerungen nimmt man vom Restaurant »Ikarus« im Hangar-7 oder vom Restaurant »Brunn­auer« mit nach Hause. Beides perfekte Orte für den abendlichen Genuss.

SONNTAG

Ein kurzer Abstecher zu Max Reinhardt und eine Liebeserklärung an Salzburg von Karl Lagerfeld.
Salzburg ist eine der radlerfreundlichsten Städte Österreichs. Folglich ist die Erkundung der Mozartstadt auf dem Drahtesel uneingeschränkt zu empfehlen. Zum Beispiel mit Fräulein Maria’s Bicycle Tours, die nicht nur berühmte, sondern auch manch versteckte Sehenswürdigkei­­­ten im Programm haben. Im Vorbeiradeln passiert man unter anderem die Pferdeschwemme, das Festspielhaus, blickt auf die Festung, taucht ein in die Kühle des Neutors und kommt zum Schloss Leopoldskron. 1918 kaufte es Max Reinhardt, der Mit­begründer der Festspiele, und so sind das Schloss und der verwunschene Park auch ­so etwas wie der Geburtsort derSalzburger Festspiele. Heute ist es eine einzigartige Event-Location an einem schönen Weiher und auch eine Übernachtungsmöglichkeit mit viel Geschichte.

Lunch im Hangar-7
Zum Mittagsimbiss könnte man in der »Hangar-7 Outdoor Lounge« haltmachen und mit Blick auf das Rollfeld des Flughafens und die Berge die Köstlichkeiten vom Grill verspeisen. Zurück in der Stadt streift man durch die Salzburger Durchhäuser, macht einen Abstecher ­auf den Friedhof St. Peter mit seinen außergewöhnlichen Ruhestätten, bewundert in der Stiftskirche das moderne Kreuz und ­die neue Gestaltung oder ruht sich auf den Lounge-Sesseln um den Fischkalter Brunnen im Hof des Stifts aus.

Kaffeepause
Am nahen Domplatz meint man, die Jedermann-Rufe zu hören, heute wacht aber nur der mächtige Dom selbst über den Platz. Es bleibt noch Zeit ­für einen Kaffee mit Kuchen, ein köstliches Ribisel-Eis unter den Bäumen im ­Kiosk des »Café Tomaselli« oder für ei­nen Einspänner mit Mozartkugel im »Café-Konditorei Fürst«, der Geburtsstätte der berühmten süßen Kugel. Noch Lust auf ­ die ebenso berühmten Salzburger Nockerl? Dann wäre das »S’Nockerl im Elefant« ­in der Sigmund-Haffner-Gasse zu empfehlen. »Ich liebe Salzburg. Ich habe Salzburg immer geliebt. Diese Gegend ist eine der schönsten Ecken Europas«, sagte Modezar Karl Lagerfeld, als er 2014 die Métiers-d’Art-Kollektion von Chanel auf Schloss Leopoldskron präsentierte. Und Karl dem Großen ist nichts mehr hinzuzu­fügen.

Spaziergänge / Ausflüge
Fräulein Maria’s Bicycle Tours
mariasbicyletours.com
Walk of Modern Art
salzburgfoundation.at/walk-of-modern-art
ERSCHIENEN IN Falstaff Nr. 04/2020

Quelle: www.falstaff.at